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01.09.2014

Editorial: Klickzahlenoptimierung

Wenn in der Online-Zeitung Deiner Wahl das Monatsende näher rückt und der Chefredakteur die Zugriffszahlen nochmal richtig pushen will, dann kann er beispielsweise Klicks bei Google einkaufen ("AdWords"), Werbung auf anderen Seiten machen, die Social-Media-Kanäle befeuern oder Bildergalerien erstellen lassen. Diese sogenannten Klickstrecken zu Themen, die einfach jeden interessieren ("Loddars Frauen", "Bilder der Mächtigen", "Barbarische Wüstenkrieger", "Die Karriere von Daniela Katzenberger"), lassen sich mit Hilfe von Stockfotos und Praktikanten in beliebiger Menge herstellen und ebenso einfach konsumieren, vor allem wenn im Büro mal nicht so viel los ist.

Das Beste: Jedes Bild ist ein Klick, und je mehr eine Online-Zeitung davon hat, desto mehr Geld bekommt sie für ihre Werbebanner. Bilderstrecken werden erst recht attraktiv, wenn man bedenkt, wie viel Arbeit ein handgeschriebener Artikel verursacht, der dann nur ein oder zwei Klicks bringt - im Gegensatz zu den "Hundert schönsten Frauen der Welt". Okay, die meisten Artikel sind heutzutage umgetextete Agenturmeldungen oder nicht gekennzeichnete Werbung, aber trotzdem. Die Effizienz einer Bildserie ist einfach nicht zu toppen. Und überhaupt: Der Leser will es ja so. Sonst würde er ja nicht klicken, oder?

Auch wir vom Milljöh können und wollen uns dieser Erkenntnis nicht verweigern. Deswegen setzt diese Ausgabe voll auf's Bild: Bilder vom Sommerfest, Bilder vom EMAG (mit attraktiven Frauen!), Bilder vom Balkon, Bilder von der Klima-Demo, Bilder von vielen Autoren - und natürlich Rätselbilder und Bilderrätsel. Die textlastige LocsEcke bekommen wir auch noch umgestellt, versprochen.

Mal schaun wie die Klickzahlen sich so entwickeln.